AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2002

Immer mehr Israelis beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft


Immer mehr Israelis beantragen einen deutschen Pass. Seit Beginn der zweiten Intifada Ende September 2000 ist die Zahl der Anträge auf Einbürgerung bei der Botschaft in Tel Aviv kontinuierlich gestiegen. Allein im Januar und Februar dieses Jahres meldeten sich 498 Israelis mit dem Wunsch, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben - mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor: Im gesamten Jahr 2000 hatte die deutsche Botschaft lediglich 1253 Fälle bearbeitet, 2001 gingen bereits 1751 Anträge ein. Der Trend, heißt es, sei trotz der Debatte um Antisemitismus in der Bundesrepublik ungebrochen. Diplomaten vermuten, dass viele Israelis die deutsche Staatsbürgerschaft als Rückversicherung annehmen, falls der blutige Konflikt zwischen ihrem Land und den Palästinensern weiter eskalieren sollte. Allerdings habe der überwiegende Teil der Antragsteller nicht vor, tatsächlich nach Deutschland zu ziehen, sondern wolle, wenn möglich, in Israel bleiben. Grundlage für die außergewöhnliche Entwicklung ist eine spezielle Regelung im Grundgesetz. Dessen Artikel 116 garantiert NS-Verfolgten, denen die Staatsbürgerschaft aus rassischen, politischen oder religiösen Gründen entzogen wurde sowie deren Nachkommen ein lebenslanges Anrecht auf Wiedereinbürgerung in Deutschland.



© DER SPIEGEL 25/2002
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