AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2003

Stoibers Regierung nahm Milliardenverlust bei bayerischen Stiftungen bewusst in Kauf


Die Verluste der staatlichen Landesstiftung und der Forschungsstiftung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro hätte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Vorsitzender im Stiftungsrat beider Stiftungen ist, frühzeitig verhindern können. Über Jahrzehnte hatte die Staatsregierung fast das gesamte Vermögen der Stiftungen allein in Aktien der Bayerischen Vereinsbank (später HypoVereinsbank) investiert. Als der Aktienkurs vor zwei Jahren einbrach, verlor Bayern den größten Teil des Anlagekapitals. Wie Papiere aus dem Landtagsarchiv belegen, unterschätzten die CSU-Politiker das Risiko, in nur eine Aktie zu investieren, obwohl der Bayerische Oberste Rechnungshof immer wieder davor gewarnt hatte. Vielmehr wurden aus der Staatskasse nochmals 150 Millionen Euro für Aktienkäufe an die Stiftung ausgereicht. Ziel der CSU war es, eine hohe Beteiligungsquote bei der Bayerischen Vereinsbank zu erreichen und Ende der neunziger Jahre eine drohende Übernahme, etwa durch die Deutsche Bank, zu verhindern. Die Regierungspartei fürchtete, so damals ein CSU-Berichterstatter im Haushaltsausschuss, dass ein potenzieller Erwerber versucht sein könnte, "den Bankenplatz Bayern anders zu bestimmen, als wir es gerne haben möchten“.



© DER SPIEGEL 20/2003
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