AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2003

Kofferbombe: Die Spuren führen nach Sachsen


Nach dem Fund einer Kofferbombe auf dem Dresdner Hauptbahnhof gehen ermittelnde Sicherheitsexperten immer weniger von einem islamistischen Hintergrund aus. So stammen die mehr als sechs Kilogramm Steine, die in dem Koffer gefunden wurden, mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Steinbruch in Deutschland - vermutlich aus Sachsen. Auch die TNT-Sprengschnüre des Typs "Detocord 20" wurden nicht weit vom Tatort hergestellt: im Sprengstoffwerk Gnaschwitz bei Bautzen. Die Schnüre, die 20 Gramm Explosivstoff pro Meter enthalten, werden vorwiegend für Bohrlochsprengungen verwendet. Ebenfalls entdeckte elektrische Zünder stammen aus dem benachbarten Tschechien, wurden jedoch für den deutschen Markt produziert. Die Sonderkommission "Bahnhof" des Landeskriminalamtes Sachsen prüft derzeit eine Kundenliste der tschechischen Firma. Gegen einen Anschlag von islamischen Terroristen spricht zudem, dass der verwendete Sprengstoff wenig professionell aus militärischen Geschossen herausgekratzt wurde. Experten vermuten, das Material könnte aus zur Vernichtung freigegebenen Waffenbeständen stammen. Insgesamt enthielt die Bombe 1,6 Kilogramm Sprengstoff. Der brisante Fund ist nicht der erste dieser Art auf einem Bahngelände im Freistaat. Bereits im Oktober 1991 hatte ein Streckenwärter auf der Linie Leipzig-Dresden 14,5 Kilogramm Sprengstoff gefunden - nur weil der Zünder defekt war, blieb eine Explosion aus. Damals war vermutet worden, das Dynamit könnte aus Depots der aufgelösten Nationalen Volksarmee stammen.



© DER SPIEGEL 25/2003
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