AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2003

WestLB-Chef Sengera wehrt sich gegen BAFin-Vorwürfe


Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück hat dem in die Kritik geratenen WestLB-Chef Jürgen Sengera in einem Telefonat den Rücken gestärkt. Bereits vor einigen Tagen, so der SPIEGEL, habe Steinbrück dem WestLB-Chef telefonisch zugesichert, dass er entgegen anders lautender Berichte keinen Nachfolger für ihn suche. Wie der SPIEGELin seiner jüngsten Ausgabe weiter berichtet, hat Sengera die umstrittene Strategie der Bank in einer zweistündigen Befragung durch den NRW-Haushaltsausschuss vehement verteidigt. Dabei kündigte Sengera an, dass die Dividende auch für das Jahr 2003 ausfallen müsse. Außerdem kritisierte der Bank-Chef das Vorgehen der Bankenaufsicht BAFin. Die Äußerungen von BAFin-Chef Jochen Sanio in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte bei den umstrittenen Londoner Geschäften der Star-Bankerin Robin Saunders, so Sengera, seien zumindest verwunderlich. Die zur Prüfung des Falles notwendigen Unterlagen der WestLB, so Sengera, würden dem BAFin erst 18. Juni zugesandt. In diesem Frühjahr, berichtet der SPIEGEL weiter, wurde das BAFin nicht nur in einem, sondern in insgesamt drei Fällen bei der WestLB vorstellig. Zunächst musste die Landesbank über die 15 größten Kreditausfälle berichten. Zurzeit prüft das Aufsichtsamt, wie es zu dem plötzlichen Wertberichtigungsbedarf von 430 Millionen Euro bei dem britischen Unternehmen Boxclever kam. In einem dritten Fall muss die WestLB nun über die Koinvestitionen ihrer Starbankerin Saunders in London berichten. Aus internen Unterlagen der WestLB geht hervor, dass deren Abteilung noch 2001 einen Ergebnisbeitrag vor Steuern von 182 Millionen Euro erzielte. Insgesamt war der Bereich Strukturierte Finanzierungen, zu dem auch das Geschäft von Saunders gehört, für Zweidrittel des Jahresüberschusses vor Steuern verantwortlich.



© DER SPIEGEL 25/2003
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