AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2003

EZB-Chefvolkswirt Issing:"Wir wissen, was wir im Fall einer deflationären Entwicklung zu tun hätten"


Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im Fall einer deflationären Entwicklung "mit den gleichen Instrumenten ausgestattet wie jede andere Notenbank auch". Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank Fed veröffentliche die EZB "keine Studien, was wir tun würden, wenn", sagte Otmar Issing, Chefvolkswirt der EZB, in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DERSPIEGEL. Aber, so Issing:"Wir wissen, was wir zu tun hätten." Äußerungen, die EZB sei von ihrem Mandat oder von ihrem Statut her gehindert, etwa Wertpapiere anzukaufen, bezeichnete das Direktoriumsmitglied der Notenbank als blanken Unsinn. "Wir dürfen nicht direkt den Regierungen Kredit geben, aber wir können - falls dies geldpolitisch geboten erscheint - am Sekundärmarkt quasi unbegrenzt aktiv werden, das Volumen ginge in die Billionen", sagte Issing. Für die Gefahr einer Deflationsspirale im Euro-Raum sehe er allerdings nicht die geringsten Anzeichen. Ein Vergleich mit den dreißiger Jahren sei genauso abwegig wie mit Japan. Issing:"Wir nehmen Risiken ernst, wenn wir sie ausmachen. Aber Notenbanken handeln nicht auf Verdacht hin."



© DER SPIEGEL 25/2003
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