AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 26/2003

Auswärtiges Amt rückt von Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes ab / Struck bei Rumsfeld im Wort


Ein Sinneswandel im Auswärtigen Amt zu der geplanten Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr bringt Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) in Nöte. Sein Kollege Joschka Fischer (Grüne)hatte Struck zunächst gedrängt, Forderungen der USA nachzugeben, Soldaten zum Schutz ziviler Wiederaufbauhelfer in die unruhige afghanische Provinz zu schicken - etwa in das 650 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernte Herat. Doch auf Grund der Erkenntnisse eineseigens entsandten "Erkundungsteams" vonAußenamt und Bundeswehr gewinnt im Fischer-Ressort die Auffassung Oberhand, der Einsatz außerhalb Kabuls sei zu riskant. Fast im ganzen Land verschlechtere sich die Sicherheitslage, Taliban und andere Islamisten kehrten zurück, und mit einer Opium-Rekordernte wachse der Einfluss der Drogenbarone. Deshalb seien weitere Anschläge auf die Deutschen zu befürchten. Das Team soll diese Woche dem Kabinett berichten. Struck hat öffentlich beteuert, wenn die Kundschafter abrieten, werde der Einsatz nicht erweitert. Sein Dilemma: Er ist bei denUSA im Wort. Trotz der Vorbehalte militärischer und ziviler Berater hatte er auf Drängen Fischers dem US-Kollegen Donald Rumsfeld vor Wochen ein klares Signal übermittelt: "Don, wir machen das." Berlin will nun versuchen, die Amerikaner zu vertrösten: Über neue Missionen am Hindukusch, hieß es vergangene Woche, könne erst nach der Sommerpause entschieden werden.



© DER SPIEGEL 26/2003
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