AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 26/2003

BAFin stellt WestLB schlechtes Zeugnis aus


Das brisante Geschäft mit der britischen Firma Boxclever wird voraussichtlich einige führende Manager der WestLB ihren Job kosten. In dem mit Spannung erwarteten Sonderprüfungsbericht hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) nämlich gravierende Systemmängel im Zusammenhang mit dem spekulativen Investmentbanking des Londoner WestLB-Ablegers festgestellt. Die Kreditprozesse seien nicht richtig gesteuert und kontrolliert worden, heißt es in dem über hundertseitigen Papier, das dem Aufsichtsratschef Bernd Lüthje am vergangenen Freitag übergeben wurde. Im Vorstand habe es erheblich an der nötigen Sorgfalt gemangelt, beanstanden die Prüfer. Die Härte, mit der die BAFin die Finanzierung des Fernsehgeräteverleihers Boxclever kritisiert, habe selbst WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera überrascht, berichten Vertraute. Hochrangige Banker und Kontrolleure halten es für sicher, dass nun mehrere Vorstandsmitglieder gehen müssen. "Da werden Köpfe rollen", hieß es. Neben Robin Saunders, der schillernden Chefin des Londoner Geschäftszweigs, stehen auch Risikomanager Adolf Franke sowie der für Boxclever zuständige Vorstand Johannes Ringel auf der Abschussliste. Selbst Sengera habe kaum Chancen, im Amt zu bleiben. Schließlich habe er das Boxclever-Geschäft, bei dem die Bank laut BAFin-Bericht 816 Millionen britische Pfund im Feuer hat, erst vor einigen Monaten an Ringel abgegeben. Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC, die noch im Februar keinerlei Probleme mit der Investmentsparte festgestellt hatte, werde ihr Mandat bei der WestLB verlieren, hieß es in Düsseldorf. Unterdessen arbeitet der Vorstand an einer Stellungnahme für die Eigentümer, die sich am heutigen Montag zu einer außerordentlichen Sitzung treffen. In dieser Woche will die BAFin auch noch dazu Stellung nehmen, ob die für Boxclever gebildete Risikovorsorge ausreichend ist.



© DER SPIEGEL 26/2003
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