AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 36/2003

Rüstung Generäle wollen Drohnen und Kampfroboter

Die Bundeswehr-Generäle fordern die Regierung heraus: Kaum hat Verteidigungsminister Struck den Militärs Sparmaßnahmen auferlegt, unterlaufen die Chefs von Heer und Luftwaffe seine Vorgaben mit milliardenteuren Rüstungsplänen. Sie verlangen Kampfroboter, Bunkerknacker und Drohnen.


Hamburg - Besonderen Unmut des Ministers erregt eine 42-seitige Broschüre von Heeresinspekteur Gert Gudera über das "Deutsche Heer 2020". Gudera verlangt unter anderem, bald neue Raketen zur Fliegerabwehr sowie Flugkörper zum Knacken von Bunkern anzuschaffen, ferner Kampfroboter für die Aufklärung und das Minenräumen. Als Ersatz für den Panzer Leopard 2 müsse ein neues "Gefechtsfahrzeug" entwickelt werden, ebenso ein großer Transporthubschrauber als Nachfolger für alte CH-53-Helikopter. Zudem wünscht Gudera leichte Panzerhaubitzen sowie vernetzte Kommunikations- und Navigationscomputer "für jedes Fahrzeug des Heeres".

Brüsk bremste Struck den Plan, das bereits als "Ausbildungshilfe" an die Truppe verteilte Dokument auch Fachleuten im Bundestag zu schicken: "Wie kommen Sie dazu, Papiere an Abgeordnete zu geben, die ich noch nicht gelesen habe", rüffelte der Minister Ende vorvergangener Woche den Spitzenoffizier. Doch auch die Luftwaffe pariert nicht so, wie Struck sich das wünscht: Deren Führung verlangt, bis zum Ende des Jahrzehnts teure unbemannte Flugzeuge für strategische und regionale Aufklärung zu kaufen, etwa die im Irak-Krieg verwendeten US-Drohnen "Global Hawk" (Stückpreis 57 Millionen Dollar) und "Predator" (4 Millionen).

"Die Generäle glauben wohl, wir hätten eine Lizenz zum Gelddrucken", schimpft ein Ministerberater. Struck hatte im Mai die vorzeitige Stilllegung von Kampfjets, Schnellbooten und Panzern verfügt und Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan beauftragt, im Herbst ein neues "Ausrüstungskonzept" vorzulegen, das den Sparzwängen gerecht wird.



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