AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 3/2004

Alcopops laut Studie vor allem bei Minderjährigen beliebt


Die von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, bereits angedrohte Sondersteuer auf so genannte Alcopops rückt näher - und könnte den boomenden Absatz der Modedrinks mit jährlich mehreren hundert Millionen Flaschen zusammenbrechen lassen. Grund ist eine noch unveröffentlichte Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, von der Caspers-Merk ihr Vorgehen abhängig machen wollte. Danach greifen Minderjährige sogar noch öfter als junge Erwachsene zu den süßen Cocktails, meistens zu den Mischungen auf Schnaps-, Wodka- oder Rumbasis, die erst ab 18 Jahren frei sind. Bei der Befragung von 1000 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren gaben 48 Prozent der Minderjährigen an, mindestens einmal im Monat Alcopops wie "Rigo" oder "Smirnoff Ice" zu trinken. Bei einer Vergleichsgruppe junger Erwachsener von 18 bis 29 Jahren waren es dagegen nur 39 Prozent. Zwar fielen darunter auch Bier- und Weinmischungen, die schon 16-Jährige trinken dürfen. Doch 42 Prozent der Jugendlichen räumten ein, auch die für sie in jedem Fall verbotenen Produkte mit hochprozentigen Alkoholika konsumiert zu haben.

Schwierigkeiten, an die härteren Cocktails zu kommen, gibt es offenbar kaum: Mehr als jeder vierte Jugendliche gab an, mindestens einmal im Monat solch einen Spirituosenmix selbst gekauft zu haben. Sogar unter den 14- und 15-Jährigen ging jeder Fünfte trotz Jugendschutzgesetz mit einer hoch angereicherten Flasche aus dem Laden. Inzwischen sind Alcopops laut der Erhebung die beliebteste Alkoholsorte unter Jugendlichen. Da 54 Prozent der Befragten gleichzeitig angaben, keine harten Alkoholika pur zu trinken, stützt die Studie die Vermutung, dass durch die Süßgetränke immer mehr Teenager in den regelmäßigen Alkoholkonsum hineinrutschen und auch Sonderformen des Trinkens wie das "Koma-Saufen" dadurch gefördert werden. Dafür spricht die Zahl von 21 Prozent der 14- bis 19-Jährigen, die, so eine weitere Umfrage, mindestens einmal im Monat fünf und mehr Flaschen leeren. "Die Ergebnisse sind eindeutig", urteilt Caspers-Merk. "Ich bin für eine klare Verteuerung und werde jetzt einen Vorstoß für die Sonderabgabe unternehmen."



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