AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2004

WestLB-Chef Thomas Fischer plant engen Verbund mit den Sparkassen


Der neue Chef der Westdeutschen Landesbank, Thomas Fischer, sieht die künftige Rolle des Instituts als Dienstleister der Sparkassen. "Der ursprüngliche Auftrag der Landesbanken war es, die Sparkassen mit Produkten zu versorgen und als ihr verlängerter Arm an den internationalen Finanzmärkten tätig zu sein. Diese Aufgabe soll und wird die WestLB künftig wieder erfüllen", sagte Fischer dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Alle großen Banken der Welt hätten einen Heimatmarkt, in dem sie tief verwurzelt sind. "Sie lassen kein Kundensegment aus und haben ein starkes Privatkundengeschäft. Insofern haben die Landesbanken mit den Sparkassen die besten Voraussetzungen", so Fischer. Der Abstimmungsbedarf sei in einem solchen Verbund natürlich größer als in einem Konzern, aber es gebe auch große Vorteile: "Die Sparkassen kennen ihre Kunden vor Ort sehr genau." Die Großbanken hätten dagegen im Geschäft mit Privatkunden "eklatant versagt, sie haben nichts Vergleichbares an Markentreue und Kundenloyalität zu bieten". Sie hätten dieses Geschäft nie richtig gemocht "und deshalb den Fehler gemacht, ihre Kunden zu verraten". Einen Zusammenschluss von Landesbanken kann sich Fischer "durchaus vorstellen": "Wir müssen in der Tat überlegen, ob das Vorhalten solcher Kompetenzen pro Bundesland nötig, möglich und sinnvoll ist." Unter seinen Vorgängern hat die WestLB nach Ansicht Fischers "entgegen ihrer Gründungsidee versucht, im Geschäft mit Großkunden und im Investmentbanking im Konzert der ganz Großen mitzuspielen". Möglicherweise hätten die WestLB und andere Landesbanken der Versuchung nicht widerstehen können, "ihren Vorteil, nämlich die günstige Refinanzierung als öffentlich-rechtliche Banken und die Staatsgarantien, zu nutzen, um die große, weite Welt zu erobern. Es gab offenbar das Bestreben, sich von den als provinziell empfundenen Sparkassen freizuschwimmen. Das ist bitter bestraft worden". Fischer wandte sich gegen eine Privatisierung von Sparkassen. Wer das wolle, müsse die Gesetze ändern. Und dafür sehe er keine Mehrheiten. "Gibt es denn ökonomisch einen Grund, Sparkassen zu privatisieren?", fragte Fischer. "Arbeiten sie so schlecht, dass es besser wäre, es gäbe sie nicht? Das Gegenteil ist der Fall: Eine Reihe von Banken kümmert sich nicht ums Privatkundengeschäft, und sie lässt den Mittelstand hängen."



© DER SPIEGEL 13/2004
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