AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2004

Gesine Schwans Universität erhält 50 Millionen Euro


Ihre gescheiterte Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten zahlt sich für Gesine Schwan aus: Die 61-jährige Politik-Professorin erhält für die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), deren Präsidentin sie seit 1999 ist, 50 Millionen Euro aus Bundesmitteln. Schwan will die Viadrina zu einer deutsch-polnisch-französischen Stiftungsuniversität ausbauen. Die Millionen vomBund sollen als Startkapital für die Stiftung verwendet werden. Seit vielen Monaten hatte Schwan sich um das Geld bemüht, doch die entscheidende Zusage gab ihr Bundeskanzler Gerhard Schröder erst im Zuge ihrer Kandidatur für das höchste Staatsamt. Unmittelbar nach der Wahl, in der Schwan nur knapp gegen den Unionskandidaten Horst Köhler unterlegen war, rief die Wissenschaftlerin einen Spitzenbeamten im Finanzministerium an. Sie berichtete ihm von der Zusage des Kanzlers über die 2005 und 2006 fälligen Zahlungen von je 25 Millionen Euro. In den Wochen vor der Bundespräsidentenwahl hatte Schwan "wegen ihrer erfrischenden und offenen Art", so SPD-Chef Franz Müntefering, in der krisengebeutelten SPD für regelrechte Begeisterung gesorgt. Entsprechend hoch fiel die Finanzspritze für die Viadrina aus. Die von der Bundesregierung geplanten Eliteuniversitäten können dagegen bestenfalls binnen fünf Jahren auf 50 Millionen Euro Unterstützung hoffen. In der Union stößt der Vorgang auf massive Kritik. "Hier wird wohl eine Genossin mit Bundesmitteln für ihren Parteieinsatz belohnt", schimpft der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Dietrich Austermann. "Das Geschacher wirft nachträglich ein schlechtes Licht auf die Kandidatin und ihre Kandidatur."



© DER SPIEGEL 24/2004
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