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Kardinal Meisner verbietet französischem Bischof Auftritt in Bonn

Mit einem neuen Verbotsbrief will der als Rechtsaußen der deutschen Bischöfe geltende Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner, 70, eine kirchenkritische Veranstaltung verhindern, die am Donnerstag dieser Woche in der Bonner Beethovenhalle stattfinden soll. Meisner untersagte dem französischen Bischof Jacques Gaillot schriftlich, im Bereich seines Erzbistums öffentlich aufzutreten. In dem Bannbrief heißt es, dass "Ihre Anwesenheit für diesen Auftritt nicht erwünscht ist im Bistum", vom Kardinal unterzeichnet mit: "In der Liebe Christi". Der wegen seiner Disziplinierung durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 1995 bekannt gewordene Gaillot will in Bonn gemeinsam mit dem Paderborner Theologen Eugen Drewermann über "Christsein im 3. Jahrtausend" diskutieren. Meisner beruft sich aber nun auf einen in Deutschland noch nie benutzten Paragrafen des katholischen Kirchenrechts, nach dem ein Ortsbischof einem ortsfremden Kollegen einen Auftritt untersagen kann. Dem für Bonn zuständigen Meisner sind die progressiven Ansichten Gaillots, der sich in Paris für Obdachlose und illegale Einwanderer einsetzt, zuwider. Die Veranstalter von der "Leserinitiative Publik-Forum", einem kirchenkritischen Blatt aus Oberursel, sehen dem Bann aus Köln gelassen entgegen. Sie haben mehr als 800 Eintrittskarten verkauft. Daher werde "Gaillot auf jeden Fall in irgendeiner Form präsent sein", heißt es aus dem Veranstalterkreis: "Die mittelalterliche Gehorsamskirche Meisners soll keine Chance mehr haben."