AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 32/1999

Bayerische Landesbank als Zockerbude


Neuer Ärger für CSU-Chef und Bayern-Premier Edmund Stoiber. Nach den Millionenverlusten der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft wird nun wieder der Milliardenverlust der Bayerischen Landesbank zur Affäre. Das berichtet das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe. Bisher bekannt war: Die Landesbank hat während der Asienkrise rund 1,3 Milliarden Mark verloren. Verborgen blieb bis jetzt, dass rund 800 Millionen Mark durch wilde Zockerei verschwanden.

In einer Sitzung von Haushalts- und Finanzausschuss, über deren Details nie öffentlich berichtet wurde, nahm Stoibers Finanzminister Kurt Faltlhauser, der zum Zeitpunkt der Verluste keine Verantwortung für das Kreditinstitut trug, ausführlich Stellung. Aus dem Sitzungsprotokoll wird deutlich, daß die Verluste durch Kredite entstanden, die auf offenbar wertlose Aktien ausgezahlt wurden. Bankenüblich ist eine Beleihung von Wertpapieren zu maximal 60 Prozent, in Singapur wurde bis zu 100 Prozent beliehen. Kreditvergabe und Controlling seien nicht getrennt erfolgt, ähnlich wie im Fall des Baring-Bank-Spekulanten Nick Leeson war damit keine zeitgleiche Kontrolle möglich. Die Verluste seien "von der Niederlassungsleitung damals als geringfügig dargestellt" worden, sagte Faltlhauser vor dem Parlamentsausschuss. Dennoch habe die Zentrale am 21. Oktober beschlossen, das Geschäft mit den Aktienkrediten "unverzüglich einzustellen". Doch die Niederlassung habe "ohne Genehmigung oder Rücksprache mit der Zentrale im November 1997 noch größere Auszahlungen vorgenommen".

Die Zustände vor Ort müssen abenteuerlich gewesen sein. Selbst eine Auflistung der Kunden haben die Münchner von dort "nur durch Anweisung an den Innenleiter erhalten". Der Mann habe als Entschuldigung gegenüber der bayrischen Muttergesellschaft später erklärt, dass für ihn quasi ein Redeverbot bestanden habe. Ihm sei "seitens des Niederlassungsleiters eine Abmahnung angedroht worden, falls er direkten Kontakt nach München aufnehmen würde". Mittlerweile sind zumindest vor Ort die Konsequenzen gezogen, doch der damalige Asienchef der Bank stieg anschließend zum Chef der Landesbank auf. Verantwortlicher Verwaltungsratschef zum Zeitpunkt der Affäre war der heutige Staatskanzleichef Erwin Huber.

In CSU-Kreisen wird vermutet, das erneute Aufflackern der Affäre sei eine Drohung an die SPD, denn Chef der Landesbank ist noch immer der Asienexperte Alfred Lehner, ein Genosse der auch im Aufsichtsrat der Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft saß, die durch Grundstücksgeschäfte Millionen verlor.



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