AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 10/2006

Zammar-Entführung USA baten Bundesregierung frühzeitig um Geheimhaltung


Die US-Administration hat gegenüber der Bundesregierung früher als bisher bekannt, bereits im Sommer 2002, die Entführung des Deutsch-Syrers Mohammed Haydar Zammar eingeräumt, aber um strikte Geheimhaltung gebeten. Bei einer vertraulichen Besprechung im Juni 2002 in Washington setzte die Abteilungsleiterin im Außenministerium, Elizabeth Jones, nach Informationen des SPIEGEL den deutschen Botschafter Wolfgang Ischinger darüber in Kenntnis, dass Zammar auf Druck der Vereinigten Staaten in Marokko festgenommen und ebenfalls auf amerikanische Initiative hin nach Syrien ausgeflogen wurde. Dort sitzt Zammar bis heute ein. Laut dem vertraulichen Geheimdienstbericht der Bundesregierung bat Jones den deutschen Botschafter zugleich darum, keinen Druck auf Marokko wegen Menschenrechtsverletzung auszuüben. Daran hielt sich die Bundesregierung, die bis dahin keine Klarheit über das Schicksal des Ende 2001 verschleppten deutschen Staatsbürgers hatte.

Der entscheidende Hinweis zur Ergreifung des Hamburger Islamisten kam offenbar vom Bundeskriminalamt (BKA). Laut Regierungsbericht übermittelte das BKA dem amerikanischen FBI am 26. November 2001 den Aufenthaltsort von Zammar und dessen Flugdaten. Daraufhin ließen ihn die Amerikaner festnehmen. Bei einer Vernehmung in Damaskus im November 2002 durch deutsche Beamte klagte Zammar darüber, er sei sowohl in Marokko als auch in Syrien geschlagen worden. Zudem "vegetiere" er in einer Zelle, die lediglich 1,90 Meter mal einen Meter klein sei.



© DER SPIEGEL 10/2006
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