AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2006

US-Regierung wollte "Bremer Taliban" 2002 freilassen – deutsche Stellen blockierten


Der als "Bremer Taliban" bekannte Deutsch-Türke Murat Kurnaz, der seit vier Jahren im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wird, könnte mit großer Wahrscheinlichkeit schon seit Jahren auf freiem Fuß sein – wenn deutsche Behörden nicht seine Rückführung nach Deutschland blockiert hätten. Das geht aus Geheimdienstunterlagen hervor. Danach waren CIA wie BND schon im Jahr 2002 zu der Erkenntnis gelangt, dass der aus Bremen stammende Mann nicht in Terrorakte verwickelt ist. Kurnaz sei lediglich "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen, heißt es in einem BND-Bericht ans Kanzleramt aus dieser Zeit, er habe "jedoch nichts mit Terrorismus, geschweige denn mit al-Qaida" zu tun gehabt. Bereits für November 2002 stellten US-Behörden die Rückführung des Mannes nach Deutschland in Aussicht und waren von der ablehnenden Haltung deutscher Stellen überrascht. Der damalige BND-Chef August Hanning, heute Staatssekretär im Innenministerium, intervenierte massiv gegen eine Rückkehr. Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilte damals der CIA mit, dass "aus deutscher Sicht" der Wunsch bestehe, Kurnaz möge nach einer eventuellen Freilassung "nicht nach Deutschland" zurückkehren. Derzeit verhandeln US- und Bundesregierung über die Entlassung Kurnaz’. Die Amerikaner drängen nun allerdings auf verschärfte Sicherheitsgarantien und erwarten die Observation des Mannes in Deutschland. Anwälte und Familie hoffen auf seine Freilassung in den nächsten Wochen.



© DER SPIEGEL 13/2006
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