AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 23/2006

Soldaten sollten freie Plätze in WM-Stadien füllen


Aus Angst vor leeren Stadionrängen haben die vom Ticket-Chaos verfolgten Organisatoren der Fußballweltmeisterschaft versucht, Bundeswehr-Soldaten als Lückenfüller anzufordern. Die Idee, Soldaten in Zivil zu Tausenden auf freie Sitze zu verteilen, wurde Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erstmals Mitte April während eines Besuchs beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt am Main vorgetragen. Jung war offenbar aufgeschlossen, denn er ließ den fragwürdigen Vorschlag ernsthaft prüfen. Um Randale am Spielfeldrand vorzubeugen, wollten die Organisatoren zudem die untersten Sitzreihen mit Soldaten füllen. Die Militärführung beharrte aber darauf, dienstlich ins Stadion befohlene Truppen müssten Uniform tragen. Das wiederum wollte die Fifa nicht. Die Vorderreihen sollen nun andere "vertrauenswürdige Personen" wie Hilfskräfte und Funktionäre besetzen. Die Fifa lehnte sogar ab, Bundeswehr-Musiker die Nationalhymnen spielen zu lassen. Die Lückenfüller-Idee wurde indes erst kurzfristig verworfen: Das Organisationskomitee teilte dem Wehrressort vor wenigen Tagen per E-Mail mit, es bestehe nun doch kein Bedarf mehr für Truppen in Zivil. Die gewünschten "zusätzlichen Unterstützungsleistungen" der Bundeswehr, besagt ein interner Vermerk des Ministeriums vom vergangenen Mittwoch, seien mithin "nicht mehr erforderlich".



© DER SPIEGEL 23/2006
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