AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 44/2006

Deutsche Behörden im Fall Masri unter Verdacht der Informationsweitergabe


Deutsche Behörden haben womöglich entgegen bisherigen Beteuerungen doch Informationen über das spätere Entführungsopfer Khaled el-Masri an die US-Behörden weitergegeben. Im Zuge der Ermittlungen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte ein V-Mann des Landeskriminalamts Baden-Württemberg bereits am 26. September 2001 über Masri berichtet, dieser sei "ein Anhänger Bin Ladens". Masri habe schon vor dem 11. September geraunt, dass man "alsbald etwas hören werde", und in einem Gespräch geäußert, man "müsse den Amerikanern so weh tun, wie sie selbst auch den Menschen islamischen Glaubens weh tun würden". Der Hinweis wurde vom Bundeskriminalamt (BKA) als Spur 0800679 zu den 11.-September-Akten genommen – zu denen auch Beamte von FBI und CIA Zugang hatten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums kann "die theoretische Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, dass die nach dem 11. September 2001 zum BKA entsandten US-Verbindungsbeamten" von dem Bericht erfahren hätten. Inzwischen hat auch der BND eingeräumt, zumindest Informationen über das "Multikulturhaus", in dem Masri regelmäßig als Gast verkehrte, mit der CIA ausgetauscht zu haben. Der Islamisten-Treffpunkt sei Gegenstand von Besprechungen im Pariser Geheimdienstzentrum "Alliance Base" gewesen, in dem BND und CIA zusammenarbeiten.



© DER SPIEGEL 44/2006
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