AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2007

Preisverleihung Empörung über Echo-Preis für Yusuf Islam

Die geplante Verleihung des Musikpreises Echo an den Musiker Yusuf Islam sorgt für Verärgerung. Der einst unter dem Namen Cat Stevens berühmte Sänger soll in Berlin für sein Lebenswerk geehrt werden - obwohl er früher Sympathie für die Fatwa gegen den Autor Salman Rushdie gezeigt hatte.


Hamburg - Erhebliche Missstimmung in der Musikbranche löst die Auszeichnung des Sängers Yusuf Islam alias Cat Stevens mit einem Sonderpreis für sein Lebenswerk und als "Botschafter zwischen den Kulturen" beim deutschen Musikpreis Echo aus. Viele Musikmanager sind nach Informationen des SPIEGEL empört über die Entscheidung des Dachverbandes der Phonoindustrie, ausgerechnet Islam für sein "musikalisches, soziales und politisches Engagement" und als "Brückenbauer zwischen dem Westen und der islamischen Welt" auszuzeichnen.

Islam galt lange als Persona non grata, weil er 1989 die Fatwa gegen Salman Rushdie offenbar unterstützte. So sagte er unter anderem in einem Interview, wenn Rushdie bei ihm auftauchte, würde er "versuchen, Ajatollah Chomeini anzurufen und ihm sagen, wo der Mann sich aufhält".

Die Aussagen gingen um die Welt, die "New York Times" etwa titelte damals groß: "Cat Stevens unterstützt den Aufruf zum Tod von Salman Rushdie." Radiosender verbannten daraufhin seine Musik, DJs zerstörten öffentlich seine Platten.

"Da musste wohl nur schnell noch ein Star zur Verleihung geholt werden, und keiner hat über die Konsequenzen nachgedacht", so ein hochrangiger Plattenmanager. Islam dagegen fühlt sich von den Medien falsch wiedergegeben. Dabei antwortete er auch noch 1996 in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" auf die Frage, was er von der Todesstrafe für religiöse Ansichten halte: "Wenn jemand Blasphemie betreibt, dann muss er auch entsprechend bestraft werden. Schon bei Jesus stand auf Gotteslästerung Steinigung." Gleichzeitig nannte er seine Weigerung, Frauen die Hand zu geben, "ein Detail, über das sich viel zu sehr aufgeregt wird".

Salman Rushdie bezeichnete Islam 2001 so auch als einen "der Hitzköpfe von gestern", die sich nicht immer überzeugend als moderate Mahner präsentierten.



© DER SPIEGEL 13/2007
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