AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 17/2007

Frühere RAF-Mitglieder bezeichnen Wisniewski als Buback- Schützen


Der Mord der Roten Armee Fraktion (RAF) an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 in Karlsruhe steht möglicherweise vor der vollständigen Aufklärung. Wie der SPIEGEL in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat die ehemalige RAF-Angehörige Verena Becker dem Verfassungsschutz bereits Anfang der achtziger Jahre verraten, dass Stefan Wisniewski vom Soziussitz eines Motorrads die tödlichen Schüsse auf Buback abgegeben haben soll. Wisniewski war 1981 unter anderem wegen der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden und kam 1999 frei. Laut Becker fuhr Günter Sonnenberg das Tat-Motorrad, Christian Klar soll im Fluchtauto, einem Alfa Romeo, auf die Täter gewartet haben. Der Verfassungsschutz gab dazu keine Stellungnahme ab. Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock bestätigte die Darstellung Beckers im Wesentlichen. Nach seinen Kenntnissen habe Wisniewski geschossen, Sonnenberg habe das Motorrad gelenkt. Über die Tatbeteiligung Klars sei er nicht informiert. Boock hat Michael Buback, den Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, nach eigenen Angaben über seine Kenntnisse unterrichtet. Schon seit 1990, schreibt der SPIEGEL weiter, habe das Bundeskriminalamt (BKA) ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der 1980 wegen des Buback-Mordes, trotz kaum vorhandener Beweise, zu lebenslanger Haft verurteilte Knut Folkerts sich am Tattag nicht in Deutschland aufgehalten hat. Der SPIEGEL beruft sich auf ihm vorliegende Vernehmungsprotokolle der 1980 in der DDR untergetauchten und nach dem Zusammenbruch der DDR enttarnten früheren RAF-Angehörigen Silke Maier-Witt. Die heutige Friedensaktivistin hat danach 1990 ausgesagt, Folkerts habe am 7. April 1977, dem Tattag, auf der niederländischen Seite der deutsch-holländischen Grenze in einem Auto auf sie gewartet und nach Amsterdam gefahren. Folkerts hat bisher zu seiner Tatbeteiligung geschwiegen.



© DER SPIEGEL 17/2007
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