AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 29/2007

Sat.1 will Informations- und Nachrichtenprogramme streichen


Die Mitarbeiter der Sendergruppe ProSiebenSat.1 müssen sich auf schlechte Nachrichten gefasst machen. Während Konzernchef Guillaume de Posch auf der Hauptversammlung am Dienstag noch einmal für die gerade vollzogene Fusion mit dem TV-Konzern SBS werben wird, sollen im Laufe der Woche Details zum anstehenden Personalabbau bekanntgemacht werden. Dem Renditedruck der neuen Eigentümer, den Finanzinvestoren KKR und Permira, sollen dabei vor allem die Informationsund Nachrichtenprogramme zum Opfer fallen. Beim kriselnden Kanal Sat.1 soll etwa die quotenstarke Sendung "Sat.1 am Mittag" laut eines Insiders ganz wegfallen – die rund 35 Mitarbeiter sind angeblich leicht zu kündigen, ihre Verträge laufen im November aus. Gestrichen werden sollen auch "Sat.1 am Abend" und "Sat.1 News – Die Nacht", bei der "Blitz"-Redaktion stehen womöglich ebenfalls Kürzungen an. Mit Nachrichtenchef Thomas Kausch verhandelt der Sender derzeit über seine Entlassung. Von den Plänen zum Jobabbau seien konzernweit bis zu 200 Mitarbeiter betroffen, heißt es im Haus, davon etwa 60 bei Sat.1 – das entspräche dort rund einem Viertel der Belegschaft. An diesem Montag wird der Betriebsrat vorab informiert, für Freitag ist eine Betriebsversammlung in Berlin geplant. Hatten Finanzchef Lothar Lanz und Permira-Deutschland-Chef Thomas Krenz vor Monaten noch versichert, es werde keinen Jobabbau geben, räumt inzwischen selbst de Posch ein, dass ein solcher Schritt bevorsteht. Er will die Rendite in den nächsten Jahren von derzeit 22,2 Prozent auf bis zu 30 Prozent steigern, auf dem Konzern lasten zudem über vier Milliarden Euro Schulden. Durch die Integration von SBS, die im Konzern unter dem Arbeitstitel "One World" betrieben wird, sollen weitere Stellen wegfallen. Trotz der Sparpläne will sich der Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung etwas höhere Gehälter genehmigen lassen: Künftig soll jedes Mitglied 100000 Euro im Jahr fest bekommen, die variable Vergütung entfällt. Der Vorsitzende und sein Stellvertreter kassieren dann künftig je 200000 Euro. Zum Vergleich: 2006 verdienten von den 15 Mitgliedern des Gremiums 9 unter 100.000 Euro.



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