AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 50/1999

Personelle Konsequenzen und Verbindungen bei Holzmann


Die Affäre um die Beinahe-Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann wird weitere personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Unter anderem werde der Chef des Aufsichtsrates, Carl Ludwig von Boehm-Bezing, nach einer "Anstandsfrist" von seiner Aufgabe entbunden, schreibt das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL unter Berufung auf Quellen in der Deutschen Bank.

Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung des Baukonzerns sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Großaktionärs-Vertretern Boehm-Bezing und dem Belgier André Leysen gekommen. Den früheren Spitzenmanagern des Baukonzerns werden vermutlich die Pensionen erhalten bleiben - der Aufsichtsratschef hat es versäumt, innerhalb der vorgeschriebenen Frist von zwei Wochen nach Bekanntwerden der Verfehlungen die Pensionszusagen zu widerrufen.

Wie DER SPIEGEL weiter berichtet, hat bei Holzmann auch Deutschlands höchster Olympia-Funktionär Thomas Bach von einem großzügigen Vertrag profitiert. Bach kassiert aus dem 1995 abgeschlossenen Beraterabkommen jedes Jahr 250.000 Mark. Der Wirtschaftsanwalt hat dafür nach eigenen Angaben umfangreiche juristische Beratungen geleistet. Unter anderem habe er für Holzmann an Delegationsreisen der Bundesregierung teilgenommen und Gespräche mit der Deutschen Bank geführt. Vom Holzmann-Vorstand heißt es, man sei mit Bachs Arbeit zufrieden. Ein direkt beim Vorstand angesiedelter Ex-Abteilungsleiter kann sich allerdings nicht erinnern, seit 1997 einen Schriftsatz von Bach zu Gesicht bekommen oder eine andere Leistung notiert zu haben. Bachs Vertrag läuft noch bis Ende 2000. In der kommenden Woche soll aber ein Gespräch stattfinden. Bach: "Alle machen Abstriche."



© DER SPIEGEL 50/1999
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