AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 41/2008

Anti-Terror-Einsatz am Kölner Flughafen verärgert Bundesinnenministerium


Der Anti-Terror-Einsatz gegen zwei mutmaßliche Islamisten am Kölner Flughafen hat zu massiven Auseinandersetzungen zwischen den beteiligten Behörden geführt. Das Bundesinnenministerium wirft dem nordrhein-westfälischen Innenministerium vor, dass durch die Festnahme von Omar D., 24, und Abdirazak B., 23, eine der wichtigsten geheimen Operationen des Bundesamtes für Verfassungsschutz verhindert worden sei. Nun lasse sich nicht mehr herausfinden, ob die beiden Deutsch-Somalier tatsächlich in ein Terrorlager nach Pakistan wollten und wie der Zugang dorthin für Westeuropäer organisiert sei. Die nordrhein-westfälische Polizei hatte den Zugriff am vorvergangenen Freitag angeordnet, weil im Gepäck von Omar D. ein Brief seiner Verlobten Iris T. gefunden worden war, der als Verabschiedung eines Selbstmordattentäters interpretiert wurde. Aufgrund mehrerer verdächtiger SMS, Telefonate und konspirativer Verhaltensweisen rechnen die Verfassungsschützer das Duo der Islamistenszene zu. Die Anwälte von Omar D. und Abdirazak B. wollen nun Beschwerde gegen den Haftbefehl einreichen. Keine Entwarnung gibt es im Fall der beiden gesuchten Islamisten Eric Breininger und Houssain al-Malla, die auf dem Rückweg aus einem Terrorcamp nach Deutschland vermutet werden. Beim Bundeskriminalamt haben sich mehrere Augenzeugen gemeldet, die die beiden gesehen haben wollen. Einmal seien sie in Belgrad in einem roten Mercedes mit Neusser Kennzeichen gesichtet worden, ein anderes Mal an einer Tankstelle in Fulda. Bislang hat sich allerdings keiner der Hinweise bestätigt. Breininger und al-Malla sollen "über mehrere gefälschte Passdokumente verfügen", heißt es in einem Polizeidossier. Dabei sei es möglich, dass eine "männliche Person aus dem Iran" die beiden begleite.



© DER SPIEGEL 41/2008
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