AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 11/2009

Bahn spitzelte auch in Belgien


Bei der Bespitzelung ihrer Mitarbeiter haben die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom nicht nur auf gleiche Detekteien wie die umstrittene Berliner Firma Network Deutschland zurückgegriffen. Offenbar gab es auch personelle Verbindungen zwischen den Sicherheitsabteilungen beider Unternehmen. So wechselte etwa ein enger Mitarbeiter von Klaus Trzeschan, dem Leiter der Telekom-Sicherheitsabteilung KS 3, zur Deutschen Bahn AG. Trzeschan und sein zur Bahn gewechselter Kollege, dessen Vertrag nach Bekanntwerden der Affäre beendet wurde, gelten in der Telekom- Affäre als Schlüsselfiguren und werden von der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführt. Auch bei der Ausbildung ihrer Sicherheitsleute gab es Gemeinsamkeiten. So sollen Bahn und Telekom ihre Schnüffler teilweise sogar gemeinsam zu Fortbildungskursen und Seminaren bei einer auf Sicherheitsdienstleistungen spezialisierten Firma geschickt haben, wo sie in Befragungstechniken und Gefahrenmanagement geschult wurden. Unterdessen wurde bei der Bahn ein weiterer Fall von Mitarbeiter-Screening bekannt: Im Mai 2008 glich die Bahn beim belgischen Ableger der Bahn-Tochter Schenker die Daten von Lieferanten mit denen aller 650 belgischen Mitarbeiter ab. Durch die Aktion, die offenbar auf Anweisung des damals bei der Bahn neuen Anti-Korruptions-Beauftragten Wolfgang Schaupensteiner durchgeführt wurde, sollte ein Leck in den Schenker-Kassen aufgespürt werden, durch das über mehrere Jahre hinweg 43 Millionen Euro verschwunden waren. Der Datenabgleich brachte kein Ergebnis. Der Fall entpuppte sich später als Bilanzmanipulation der belgischen Schenker-Führung, um schlechte Zahlen zu verschleiern.



© DER SPIEGEL 11/2009
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