AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 29/2009

U-Boot-Deal mit Pakistan vor baldigem Abschluss?


Verhandlungen der pakistanischen Marine über den Kauf von deutschen U-Booten sind offenbar weiter gediehen als bisher bekannt. Die Bundesregierung hält die Entscheidung über den pikanten Deal mit dem Atomwaffenstaat aber aus Rücksicht auf die Bundestagswahl zurück. Eine Delegation der pakistanischen Marine besuchte im April Deutschland und verhandelte über die konkreten Lieferbedingungen für die modernen U-Boote des Typs 214 mit Brennstoffzellenantrieb. Dabei wurden allerdings die Finanznöte der pakistanischen Regierung offenbar. Mit Walter Freitag, Chef der Kieler HDW-Werft, debattierten die Südasiaten über den Kaufpreis, der auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird. Bei der bundeseigenen KfWBank in Frankfurt berieten die Gäste aus Islamabad über die Konditionen eines deutschen Exportkredits. Die pakistanischen Besucher beklagten sich, dass die KfW mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent auf den zwischen Banken geltenden Euribor-Zins zu hohe Forderungen stelle, baten aber gleichzeitig um Stückelung der Anzahlung und eine Verlängerung der Tilgungsfrist von 5 auf 20 Jahre. Dennoch hofft HDW weiterhin auf den Verkauf der U-Boote, in Kiel ist von einem "laufenden Geschäft" die Rede. Sollten die Pakistanis einen Neubau nicht finanzieren können, gilt auch ein alternativer Deal als möglich: HDW könnte ein einst für die griechische Marine gebautes U-Boot des Typs 214 namens "Papanikolis" anbieten. Das Boot wurde den Griechen nicht geliefert, weil Athen nicht bezahlte. Der Bundessicherheitsrat will sich erst nach der Wahl wieder mit dem umstrittenen Geschäft befassen. Eine Deckung des KfW-Kredits durch eine Hermes-Bürgschaft ist bereits in Aussicht gestellt.



© DER SPIEGEL 29/2009
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