AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 43/2009

Telekom plant Branchengipfel zu Datendiebstahl


Die Deutsche Telekom AG will die Probleme mit gestohlenen und vagabundierenden Kundendaten in einem Schulterschluss mit der gesamten Branche lösen. Das sagte der für Datenschutz zuständige Telekom-Vorstand Manfred Balz dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Schon in Kürze will die Telekom deshalb die Chefs aller großen Kommunikationsunternehmen zu einer Art Gipfelgespräch einladen. Im hart umkämpften Telefongeschäft, so Balz, habe sich "ein System mit kriminogenen Strukturen" etabliert, dass selbst ein Branchenriese wie die Telekom allein gar nicht knacken könne. Es sei ein "gefährliches Provisionskarussel" entstanden, das zum Betrug geradezu einlade, so Balz gegenüber dem SPIEGEL. In Tausenden selbständigen Callcentern und deren Subunternehmern, die für die Branche auf Kundenfang gehen, seien die sensiblen Daten nur schwer zu kontrollieren. Erst Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Hunderttausende Kundendaten der Telekom bei dubiosen Firmen bis in die Türkei in Umlauf waren. Nach ersten Hinweisen auf den Datenklau hatte der Konzern bereits im Januar Anzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft eingereicht. Im Juli hatten die Ermittler dann Wohnungen und Büros einer Bande durchsucht, die im Verdacht steht, einen schwunghaften Handel mit Kundendaten betrieben zu haben. Anschließend verschickte die Telekom Abmahnungen an drei ihrer Vertriebspartner, weil die gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen hatten. Die Zusammenarbeit mit einem süddeutschen Callcenter, das offenbar Subpartner in der Türkei eingeschaltet hatte, wurde komplett eingestellt.



© DER SPIEGEL 43/2009
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