Mordaufruf gegen Angeklagten im Marwa al-Schirbini-Prozess

Vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Marwa al-Schirbini, die im Juli in einem Dresdner Gerichtssaal erstochen wurde, ist im Internet ein Mordaufruf gegen den Angeklagten Russlanddeutschen Alex W. aufgetaucht. In einer einstündigen Audiobotschaft legt Scheich Ihab Adli Abu al-Madschd in Deutschland lebenden Muslimen nahe, den Angeklagten von Marwa zu töten und stellt dafür Gottes Lohn in Aussicht. Das Landeskriminalamt Sachsen hat die im Sommer eingestellte Drohung ausgewertet und geht laut Ermittlungsakten insgesamt von "einer Bedrohungssituation" für den Angeklagten und andere Verfahrensbeteiligte aus. Die LKA-Analysen sind der Grund für die scharfen Sicherheitsvorkehrungen bei der am Montag in Dresden beginnenden Hauptverhandlung. Inzwischen hat der Ehemann der Getöteten, der bei dem Angriff selbst schwer verletzt wurde, Strafanzeige gegen den Gerichtspräsidenten und den Vorsitzenden Richter des damaligen Verfahrens eingereicht – weil diese ihre Sicherheits- und Sorgfaltspflichten verletzt hätten. Der Anwalt des mutmaßlichen Mörders, Michael Sturm, fürchtet unterdessen um einen fairen Prozess. "Die mediale Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit im islamischen Raum und die enormen Sicherheitsvorkehrungen sind Gift für dieses Verfahren", sagt Sturm, "es wird sich weisen, ob die Schwurgerichtskammer sich diesem Druck entziehen kann."

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