AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 2/2010

Bayerische Landesbank gerät in Affäre um Hypo Group Alpe Adria weiter unter Druck


In der Affäre um den Kauf der österreichischen Skandalbank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) gerät die Bayerische Landesbank weiter unter Druck. Die Münchner Staatsanwaltschaft untersucht derzeit, ob die BayernLB das Kreditinstitut vor der Mehrheitsübernahme im Jahr 2007 nur unzureichend überprüft haben könnte. Bei diesem sogenannten Due-Diligence-Verfahren, das belegen Dokumente eines Kärntner Untersuchungsausschusses, mussten sich die Münchner Banker zum Teil auf Informationen stützen, die sie zuvor von dem deutschen Vermögensberater Tilo Berlin erhalten hatten – einem späteren Hauptprofiteur des Deals. Berlin hatte mit Hilfe von Wirtschaftsprüfern eine eigene Due Diligence durchführen lassen und ab Dezember 2006 insgesamt 25,09 Prozent der HGAA-Anteile erworben. Wenige Monate später trat seine Gruppe das Aktienpaket an die BayernLB ab, angeblich für rund 800 Millionen Euro. Sie soll dabei einen dreistelligen Millionengewinn erzielt haben. Ohne die Unterlagen von Berlin & Co, so erklärte der damalige HGAA-Aufsichtsratschef Wolfgang Kulterer im Juli 2007 vor dem Kärntner Landtag, wäre es für die BayernLB seinerzeit "unmöglich" gewesen, eine rasche Kaufentscheidung zu treffen. "Aber natürlich", so Kulterer, "mussten die Bayern auch darauf vertrauen, dass Berlin & Co hier eine saubere Due Diligence vorher gemacht hat." Auch der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hatte bestätigt, dass die Bayern auf diese Informationen angewiesen waren. "Die haben sicher nicht in 14 Tagen diese Prüfung machen können", sagte Haider, "sondern sie haben mit ihrer Due Diligence aufgebaut auf einen Erfahrungsstand, den die Berlin-Gruppe ja schon gemacht hat." Berlin selbst räumte 2007 vor dem Kärntner Landtag ein, den Bayern Informationen überlassen zu haben. Die Risiken, die später auftauchten, hatten sie offenbar übersehen: Bis Ende vergangenen Jahres, als die marode Bank schließlich für einen Euro an den Staat Österreich ging, kostete die Bayern ihr Alpen-Abenteuer rund 3,7 Milliarden Euro (SPIEGEL 53/2009). Berlin erklärte dem SPIEGEL, dass "sämtliche Vorgänge", an denen er beteiligt war, "korrekt und im Einklang mit allen Gesetzen" waren. Die BayernLB wollte sich zu den fraglichen Due-Diligence- Prüfungen wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern.



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