AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 7/2010

Laut SAP-Aufsichtsratschef Plattner hatte Vorstandschef Apotheker das Vertrauen von Belegschaft und Kunden verloren


Der Mitbegründer und heutige Aufsichtsratschef des IT-Konzerns SAP, Hasso Plattner, begründet das vorzeitige Ausscheiden des SAP-Vorstandschefs Léo Apotheker mit mangelndem Vertrauen in dessen Führungsqualitäten. "Ich habe mich nicht mehr in der Lage gesehen, die Vertrauenslücke zwischen der Führung und der Belegschaft von SAP, insbesondere in Deutschland, aber auch in Europa, zu schließen", so Plattner in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Obwohl ich selbst intensiv versucht habe, Léo Apotheker zu helfen, zeigten unsere Mitarbeiterbefragungen, dass es dem Vorstand nicht gelungen ist, dieses dramatisch geschwundene Vertrauen zurückzuerobern", so Plattner.

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Heft 7/2010
Von Wollust, Habgier und anderen Versuchungen

Der Aufsichtsratschef verteidigte allerdings die von Apotheker eingeleiteten Sparmaßnahmen. "Diese Schritte waren absolut richtig, sonst stünde das Unternehmen heute finanziell viel schlechter da." Plattner machte deutlich, dass Apotheker auch bei den SAP-Kunden Vertrauen verloren habe. In einer Zeit, in der die gesamte IT-Branche vor einem gravierenden technischen Wandel stünde, gehöre auch das Vertrauen in den technologischen Kurs sowie die personellen Entscheidungen der Führung. Das gelte auch für die Kunden, denn die müssten sich darauf verlassen können, dass die SAP-Lösungen ihre Arbeit verbesserten. "Leider hat auch dieses Vertrauensverhältnis gelitten", so Plattner.

Der 66-Jährige will sich nun wieder stärker in die Geschicke des Konzerns einschalten. "Der Aufsichtsrat hat mich gebeten, in dieser Phase der Veränderung meine Rollen vielleicht noch etwas verstärkt weiter zu führen", so Plattner. Er wolle sich aber nicht ins Tagesgeschäft einmischen. "Ich erfülle nur meine Pflicht als Aufsichtsratsvorsitzender. Ansonsten gebe ich Ratschläge. Das ist doch erlaubt und ausdrücklich erwünscht."



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