AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 12/2010

Kartellamt durchsucht Heckler & Koch


Wegen des Verdachts auf Wettbewerbsbehinderung ermittelt das Bundeskartellamt gegen Hersteller von Handfeuerwaffen. Es wurden "Durchsuchungen bei den betroffenen Unternehmen durchgeführt", bestätigt ein Sprecher. Zusammen mit der Kriminalpolizei sicherten 18 Beamte vergangenen Dienstag Unterlagen beim Waffenhersteller Heckler & Koch (H&K) im schwäbischen Oberndorf. "Die Behörde ist auf die Beschwerde eines anderen Unternehmens hin tätig geworden", sagt H&K-Geschäftsführer Peter Beyerle. Sie gehe dem Verdacht nach, dass H&K seine Lieferanten "zum Boykott einer bestimmten Technologie aufgefordert haben soll". Beyerle sieht jedoch "keinerlei Hinweise darauf, dass der geäußerte Verdacht irgendwie begründet sein könnte". Auslöser der Untersuchung sind Vorwürfe des Wettbewerbers Armatix. Das Münchner Unternehmen will selbst in die Produktion elektronisch gesicherter Pistolen einsteigen, weil Heckler & Koch einen Vertrag über eine Zusammenarbeit nicht erfüllt haben soll. Armatix will dafür mit den selben Lieferanten wie H&K zusammenarbeiten. Das wiederum missfiel der schwäbischen Waffenschmiede, die ihre Lieferanten auf Vertraulichkeitsvereinbarungen hinwies – aus Sicht von Armatix ein Boykottaufruf. Hinzu kommt der Verdacht, dass sich H&K und weitere Waffenhersteller verständigt haben sollen, die Technologie von Armatix nicht einzusetzen. Reiseunterlagen zu einem Branchentreffen in Belgien wurden nun ebenfalls beschlagnahmt. "Diese Reise hat nichts damit tun", sagt Beyerle, der für die Technologie derzeit keinen Markt sieht. Die Zusammenarbeit mit Armatix sei schlicht "eingeschlafen". Armatix-Chef Bernd Dietel sieht das anders. Er bereitet eine "Schadensersatzklage in zweistelliger Millionenhöhe gegen H&K vor".



© DER SPIEGEL 12/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.