Der SPIEGEL

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17. April 2010, 10:30 Uhr

Ringier beteiligt sich nicht an Austs Nachrichtenmagazin-Projekt

Auf der Suche nach einem Investor für das neue Nachrichtenmagazin von Stefan Aust dünnt sich die Liste potentieller Kandidaten aus. Der immer wieder genannte Schweizer Ringier-Verlag, der das Vorhaben vor einigen Monaten geprüft hat, will bei dem Projekt jedenfalls nicht mitmachen. Es gebe derzeit dringendere Aufgaben, heißt es aus der Chefetage in der Schweiz. Auch beim Burda-Verlag, dem Aust sein Projekt vorgestellt hat, fiel die Reaktion reserviert aus. Zwar hätte der Verlag theoretisch Interesse, ein Konkurrenzblatt zum hauseigenen "Focus" lieber selbst herauszubringen, als es anderen Verlagen zu überlassen. Die Verantwortlichen hätten das Projekt aber nicht überzeugend gefunden, heißt es im Verlag. Auch würde man ein neues Magazin eher am Donnerstag herausbringen – dem Erscheinungstag von "Stern" und "Zeit" –, statt am Montag außer dem SPIEGEL auch dem eigenen "Focus" Konkurrenz zu machen. Im Verlag heißt es, nach dem Besuch von Aust sei der Eindruck entstanden, Burda müsse sich rasch entscheiden, um zum Zuge zu kommen – was mancher befremdlich fand. Der Ex-SPIEGEL-Chefredakteur, der das Projekt ursprünglich im Auftrag des Essener WAZ-Konzerns entwickelt hat, muss nicht bloß einen Co-Investor finden, sondern gleich einen neuen Mehrheitseigner: Die WAZ will nur einen Minderheitsanteil übernehmen – gedacht ist dabei an rund 25 Prozent – und ist mehr an den Online-Inhalten als an einem neuen Print-Produkt interessiert. Am aussichtsreichsten sind offenbar die Gespräche mit dem Axel-Springer- Verlag. Dessen Chef Mathias Döpfner habe an dem Projekt journalistisch Gefallen gefunden, heißt es im Konzern. Doch ob sich ein Engagement rechnet, werde noch geprüft. Die Chancen stünden 50:50. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Die Zeit drängt. Austs WAZ-Auftrag endet in wenigen Wochen. Einer der größten Förderer des Projekts, Stephan Holthoff-Pförtner, ist zudem vom 1. Mai an nicht mehr Bevollmächtigter des Funke-Stamms, dem 50 Prozent der WAZ gehören. Nach einem Krach mit Mitgesellschafter Günther Grotkamp einigte man sich, dass die Geschäftsführung des Stamms dann für fünf Jahre auf die Mitgesellschafterfamilie Schubries übergeht. Unter den WAZ-Eignern gibt es ohnehin auch kritische Stimmen. Man sei "nicht mehr so optimistisch wie vor einem Jahr", sagt einer. Aust ist jedoch sicher, dass man sich bis zum Ablauf des Entwicklungsvertrags mit potentiellen Partnern einigen werde.

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© DER SPIEGEL 16/2010
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