Der SPIEGEL

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12. Juni 2010, 10:30 Uhr

Gegenmodell zur Ampel-Kennzeichnung kostet Industrie insgesamt eine Milliarde Euro

Um die farbliche Kennzeichnung von Lebensmitteln zu verhindern, hat die Industrie eine der größten Marketingmaßnahmen der vergangenen Jahre finanziert. Auf insgesamt eine Milliarde Euro schätzt Lisa McCooey entsprechende Ausgaben. Sie ist Kommunikationsdirektorin des Verbands der europäischen Lebens mittelindustrie. Die hohe Summe wird vor allem für die Einführung der brancheneigenen Nährwert- Kennzeichnung GDA eingesetzt, die auf vielen Pro dukten zu lesen ist – als Gegenmodell zur Ampel-Kennzeichnung. Die ersten Abstimmungen im EU-Parlament stehen kurz bevor. Bisher scheint sich die Investition der Branche zu lohnen, die jährlich rund 965 Milliarden Euro umsetzt. Unter den Parlamentariern, darunter die einflussreiche Berichterstatterin Renate Sommer (CDU), überwiegen die Ampel- Gegner. Doch ihr Vorsprung ist dünn. Viele halten die Ampel für leichter verständlich als die komplizierte Nährwert-Algebra der Industrie. Zu den Befürwortern zählen Verbraucherschützer, Krankenkassen und Ärzteverbände. Als Gegner der Ampel beruft sich Matthias Horst vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde nun auf den möglichen Jobverlust in der Branche. Wichtiger scheinen allerdings drohende Einbußen beizucker- und fetthaltigen Produkten. "Wenn ein Deutscher eine rote Ampel sieht, bleibt er stehen", so Horst.

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© DER SPIEGEL 24/2010
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