Ehemaliger Innenminister Gerhart Baum fordert Rürup und Riester auf, sich von Maschmeyer zu trennen

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) fordert Bert Rürup und Walter Riester auf, sich vom langjährigen Chef des Finanzdienstleisters AWD zu trennen. "Es ist unerträglich, dass Maschmeyer sich mit den beiden, die ihre Reputation in der Politik gewonnen haben, weiterhin schmückt", sagt Baum in einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Ich fordere Riester und Rürup auf, ihre Funktion nicht mehr fortzusetzen. Maschmeyer leugnet schließlich bis heute seine Verantwortung für die Schäden der Anleger." Der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrats Bert Rürup gründete im vergangenen Jahr zusammen mit dem ehemaligen AWD-Chef Carsten Maschmeyer das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup, das nach eigenen Angaben auch den ehemaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester vertraglich an sich gebunden hat. Baum wirft in dem SPIEGEL-Interview dem ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, dass er sich für den AWD "als Werbefigur einspannen" ließ. "Vor allem aber werfe ich Schröder und Riester vor, dass sie keinen gesetzlichen Rahmen geschaffen haben, der Anleger wirksam vor Abzockern schützt. Diese Gesetze wurden bis heute nicht gemacht", sagt der ehemalige Innenminister. Baum wundert sich auch, wie Schröder so eng mit Maschmeyer befreundet sein konnte, "weil die aggressive Verkaufspolitik des AWD spätenstens seit dem Jahr 2000 bekannt war". Der "geschmacklose Höhepunkt" sei ein Auftritt Schröders auf einem AWDKongress gewesen, bei dem der damalige Bundeskanzler den Finanzberatern erklärte, sie hätten eine "staatsersetzende Funktion", weil der Staat die Altersvorsorge nicht mehr sichern könne. Gerhard Baum dazu: "Es ist ja vernünftig, dass die Menschen fürs Alter vorsorgen, aber der AWD hat den Rückenwind aus der Politik benutzt, um aggressiv riskante Finanzprodukte an den Mann zu bringen."