AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 32/2011

Charlotte Roche: "Ich wollte mich umbringen"


Die Bestsellerautorin Charlotte Roche ("Feuchtgebiete") spricht im SPIEGEL über ihre langjährige Psychotherapie, ihre Mager- und Alkoholsucht und ihre Erfahrungen mit der Boulevardpresse. Anlass ist Roches neuer Roman "Schoßgebete", der am 10. August in einer Startauflage von 500.000 Exemplaren erscheint und stark autobiografische Züge hat.

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Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 32/2011
US-Verschuldung, Euro-Krise, Börsenchaos

Der Roman beginnt mit einer ausführlichen Sexszene, über die Roche, 33, sagt: "Die Idee ist es, sehr viel von sich preiszugeben." Es entspreche im Übrigen ihrer Wirklichkeit, "dass es fast immer die Frauen sind, die ausrasten".

Im Jahr 2008, so Roche, sei sie magersüchtig gewesen. Außerdem habe sie Depressionen und Angstzustände gehabt. Im vergangenen Jahr, so die Autorin, habe sie aufgehört zu trinken. Zuvor sei sie Alkoholikerin gewesen. Roche: "Ich wollte immer die Mutigste sein, die Lauteste, die Krasseste. Es muss krass sein, sonst entsteht Langeweile." Nur ihre Therapeutin habe verhindert, dass sie sich umgebracht habe. Roche: "Sie hat mir schon ganz oft das Leben gerettet. Ganz im Ernst." Ihren Drang, sich mit ihren Problemen und Erlebnissen in Interviews und in ihren Büchern darzustellen, erklärt Roche so: "Vielleicht gibt mir die Öffentlichkeit etwas, was ich als Kind nicht hatte: Aufmerksamkeit, Liebe." In dem SPIEGEL-Gespräch spricht Roche auch zum ersten Mal öffentlich über den Autounfall, bei dem im Jahr 2001 ihre drei Brüder umkamen und ihre Mutter schwer verletzt wurde. In Roches Roman "Schoßgebete" erlebt die Ich-Erzählerin Elizabeth dieselbe Tragödie. Sie habe diese Passage geschrieben, so Roche, "weil ich das Gefühl hatte, das muss jetzt raus. Ich habe bis heute nicht getrauert, kein bisschen". Roche weiter: "Alle aus der Familie weinen nicht. Niemand weint, bis heute." Roche hatte nach dem Unfall gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung geklagt. Im SPIEGEL beschreibt sie nun, wie sie auf einem Flug von Berlin nach Köln Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden des Springer Verlages, angesprochen habe. Sie sei zu ihm in die erste Sitzreihe gegangen und habe mit lauter Stimme gesagt: "Ich halte Sie für einen sehr schlechten Menschen wegen der 'Bild'-Zeitung." Ihr ursprünglicher Plan sei es gewesen, ihn zu "hauen". Sie habe sich dann aber für die "kultivierte Variante" entschieden.



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