Deutsche Bischöfe geraten wegen Fernsehballett-Gastspiel bei Diktator Kadyrow in Erklärungsnot

Kann Kultur denn Sünde sein? Ja. Das müssen derzeit neun deutsche Bischöfe schamvoll zur Kenntnis nehmen. Es geht um eine seltsame Investition, einen finsteren Diktator und um karg bekleidete Damen, die ihre nackten Beine in die Luft werfen. Im Zentrum der hochnotpeinlichen Causa steht ein Auftritt von Mitgliedern des Deutschen Fernsehballetts am 5. Oktober in Grosny. An jenem Tag beglückten die Künstler den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow zu dessen 35. Geburtstag mit einem Tänzchen. Auch andere Stars waren angetreten, doch das Engagement der Mädels aus Germania hatte Folgen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) als Haussender und größter Gesellschafter des Balletts kritisierte den Auftritt am Hof des Diktators. Der MDR ist mit 40 Prozent jedoch nur ein Anteilseigner des Fernsehballetts. 30 Prozent der Berliner Tänzergruppe gehören der Münchner Tellux. Gesellschafter dieser TV-Produk tionsfirma sind neben dem baden-württembergischen Fürsten Georg von Waldburg zu Zeil auch neun deutsche Bistümer – vom Erzbischöflichen Stuhl zu Hamburg über die Erzdiözese Köln bis zum Ordinariat des Erzbistums München-Freising. Dass diese sich finanziell im Showgewerbe engagieren, war bisher selbst Kirchenkennern unbekannt. Die Tanzerei in Grosny ist den Bischöfen ziemlich unangenehm. Zwar sei das Bistum als Gesellschafter "über Maßnahmen des operativen Tagesgeschäfts im Vorfeld" nicht unterrichtet gewesen, ließ die Pressestelle der Diözese Rottenburg-Stuttgart zerknirscht wissen, aber sie bedauere "diesen Vorgang zutiefst". Von Machthabern, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, distanziere man sich "in aller Form". Die näheren Umstände des Ballettausflugs nach Tschetschenien würden derzeit geprüft.