AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 51/2011

Geld für Wulff-Kredit stammt mutmaßlich doch von Egon Geerkens


Bundespräsident Christian Wulff gerät in der Hauskredit-Affäre in immer größere Erklärungsnot. Neue Aussagen des Wulff-Freundes und Ex-Unternehmers Egon Geerkens lassen den Schluss zu, dass das Geld für das Darlehen des Politikers de facto von ihm kam. Wulff hatte bislang gesagt, Kreditgeberin sei Geerkens’ Ehefrau Edith gewesen. Deshalb habe er den Landtag von Niedersachsen korrekt darüber informiert, dass keine Geschäftsbeziehung mit Geerkens bestehe. Der 67-jährige Geerkens sagte dem SPIEGEL, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff über den Kredit geführt. Er habe sich auch überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Außerdem beruhe die freundschaftliche Verbindung in erster Linie auf dem Verhältnis zwischen Wulff und ihm. Die Zahlung des Darlehens sei zwar über ein Konto seiner Frau erfolgt, für dieses Konto habe er allerdings eine Vollmacht. Die Rückzahlung der Darlehenssumme im Jahre 2010 sei auf ein Konto erfolgt, das ihnen beiden gehöre. Dafür, dass der ursprüngliche Eigentümer der Kreditsumme Egon Geerkens war, spricht zudem ein weiterer Umstand. Als das Paar Mitte der neunziger Jahre heiratete, war Geerkens bereits vermögend, während seine Frau Edith eine Angestellte seines Schmuckhandels war, und sie brachte Geerkens zufolge kein nennenswertes eigenes Vermögen in die Beziehung ein. Zudem sei Gütertrennung vereinbart worden. Nach der Hochzeit habe seine Frau aufgehört zu arbeiten. Bei der Ausreichung des Kredits sei laut dem Unternehmer eigens ein Weg gewählt worden, bei dem die Namen der Beteiligten nicht auftauchen sollten. "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank- Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", so Geerkens. Daher sei ein anonymer Bundesbankscheck ausgestellt und Wulff übermittelt worden, damit dieser ihn einlösen konnte. Dass Egon Geerkens in Vermögensfragen des Ehepaares gewöhnlich die Regie führte, darauf deutet ein weiteres Immobiliengeschäft hin. Im Jahre 2008 kaufte Edith Geerkens für knapp eine Million Dollar ein Haus in Florida, in dem Wulff Weihnachten 2009 Urlaub machte. Das Geld für den Kaufpreis hatte ihr Egon Geerkens allerdings zuvor per notariellen Darlehensvertrag geliehen. An der Frage, von wem das Geld stammte, hängt die Glaubwürdigkeit Wulffs. Er hatte 2010 im niedersächsischen Landtag bestritten, dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Egon Geerkens gegeben habe.



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