"Die wollen alle mit uns." Saarlands SPD-Chef Heiko Maas

SPIEGEL: Sie treten jetzt zum dritten Mal bei einer Landtagswahl als Spitzenkandidat der Saar-SPD an. 2009 hatten Sie trotz guter Persönlichkeitswerte für Ihre Partei das zweitschlechteste Wahlergebnis aller Zeiten eingefahren. Was stimmt Sie jetzt so optimistisch?

Maas: Die SPD lag in der letzten Umfrage deutlich vor der CDU. Ohne uns wird hier keine Regierung gebildet werden können. Die Saarländer müssen jetzt entscheiden, ob es in diesem Land nach dem Jamaika-Chaos und zwölf Jahren CDU endlich einen Neuanfang gibt und auch eine neue politische Kultur.

SPIEGEL: Die Gespräche mit der CDU sind geplatzt, dennoch können Sie sich nach Neuwahlen eine Große Koalition vorstellen. Warum sollen die Menschen überhaupt wählen?

Maas: Weil allein die Wähler entscheiden, wie es im Saarland weitergeht. Diese ganzen Koalitionsschwüre im Wahlkampf nehmen die Wähler den Parteien sowieso nicht mehr ab. Wir wollen eine neue Regierung als stärkste Partei anführen, nur dann kann man den Weg vorgeben. Die Gespräche mit Annegret Kramp-Karrenbauer waren ernsthaft und vertrauensvoll, aber wir denken in entscheidenden Sachfragen in verschiedene Richtungen: Mindestlohn, Leiharbeit, Ganztagsschulen.

SPIEGEL: Das Land ist hoch verschuldet, eine Neuwahl kostet den Steuerzahler rund eine Million Euro...

Maas: ... aber die Notwendigkeit von Wahlen kann man nicht davon abhängig machen, ob sie Geld kosten. Das Land braucht eine stabile Regierung, alles andere würde das Land auf Dauer viel teurer zu stehen kommen. Deshalb wollen wir ja auch schnell wählen, wenn möglich schon Ende März. Dann wird es auch einen Einigungsdruck geben, egal in welcher Konstellation.

SPIEGEL: Ihre Optionen nach einer Neuwahl sind sehr begrenzt: Sowohl mit Grünen-Chef Hubert Ulrich als auch mit dem Frontmann der Linken, Oskar Lafontaine, liegen Sie im Clinch.

Maas: Wieso? Die wollen doch alle mit uns. Es geht aber ganz praktisch um die Bekämpfung der Haushaltsnotlage und die Einhaltung der Schuldenbremse, da finden wir mit der Linken keinen gemeinsamen Nenner. Und mal unabhängig von rechnerischen Möglichkeiten wird es bei den Grünen sehr darauf ankommen, ob die Partei aus den letzten zwei Jahren etwas gelernt hat oder nicht.

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