Harvard-Ökonom Rogoff kritisiert Griechenland-Rettung


Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff bezweifelt, dass die europäischen Hilfsprogramme für die Regierung in Athen die erhofft Wende bringen werden. "Um Griechenland wettbewerbsfähig zu machen, müssten die Löhne um die Hälfte sinken", sagte er dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Das ist politisch nicht durchsetzbar." Je länger die Wirtschaft schrumpfe, desto größer werde der Druck auf die Politik, dem Schrecken ein Ende zu bereiten. Rogoff empfiehlt der Regierung in Athen "eine Art Sabbatical vom Euro" einzulegen und die Währungsunion für einige Jahre zu verlassen. Um den Euro zu retten, plädiert Rogoff dafür, aus der Währungszone rasch eine politische Union zu formen. "Die Währungsunion braucht eine Zentralregierung, inklusive eines Finanzministers", sagt der Ökonom. "Der muss das Recht haben, in beträchtlichem Umfang eigene Steuern zu erheben und das Geld auch auszugeben." Außerdem müsse das nationale Klein-Klein bei der Bankenregulierung aufhören. Weiter spicht sich Rogoff in dem SPIEGEL-Interview gegen die Einführung von Euro-Bonds aus. "In der jetzigen Lage wären gemeinsame Staatsanleihen aller Länder der Währungsunion die absolut falsche Antwort", sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der als einer der renommiertesten Forscher für Staatsschuldenkrisen gilt. "Wie soll sich Deutschland wehren, wenn der französische Finanzminister schlecht wirtschaftet", fragt Rogoff. Euro-Bonds seien frühestens dann ein Thema, wenn die politische Union verwirklicht ist.



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