Euro-Finanzminister: Katastrophales Griechenland-Zeugnis


Die Mehrheit der Euro-Finanzminister stellt sich auf ein Scheitern der Griechenland-Rettung an diesem Montag ein. Eine Telefonkonferenz der Minister am vergangenen Mittwochabend offenbarte große Zerwürfnisse. Vor allem Deutschland stemmt sich gegen rasche Hilfen für das angeschlagene Mittelmeerland. Ihre Zögerlichkeit begründeten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen mit der jüngsten "Schuldentragfähigkeitsanalyse" der Troika. Der streng vertrauliche Bericht stellt den Griechen mit Blick auf ihre Staatsverschuldung ein katastrophales Zeugnis aus. So erreiche Athen im Jahr 2020 trotz eines drastischen Forderungsverzichts privater Gläubiger nur einen Schuldenstand von 129 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. Die Troika hatte jedoch das Ziel von höchstens 120 Prozent vorgegeben, bei dem Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen könne. Der Vertreter des Internationalen Währungsfonds erklärte in der Telefonkonferenz, dass man ein zweites Griechenland-Programm nicht unterstützen werde, solange die Schuldentragfähigkeit des Landes nicht gewährleistet sei. Kommt es am Montag beim Treffen der Euro-Gruppe zu keiner Einigung, könnte die Angelegenheit den Staats- und Regierungschefs für ihren Gipfel Anfang März überwiesen werden. Möglich sei aber auch, so ein Berliner Regierungs-Insider, dass schon an diesem Montag die Weichen für eine Pleite Griechenlands mit anschließendem Euro-Austritt gestellt würden. "Unter den Triple-A-Staaten ist die Skepsis besonders groß, ob Griechenland die Wende schaffen kann", bestätigte die österreichische Finanzministerin Maria Fekter. "Das Risiko einer Insolvenz Griechenlands ist nicht vom Tisch."



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