Bundesbank-Chef Weidmann kündigt "deutlich geringere" Gewinnausschüttung an


Die Bundesbank wird nach dem bevorstehenden Jahresabschluss für 2011 sehr viel weniger Geld an den Bund überweisen können als zuvor. "Die Gewinnausschüttung wird deutlich geringer ausfallen als im vergangenen Jahr", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. Der Grund sind Risiken aus dem Engagement der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Schuldenkrise. "Wir werden in Absprache mit den Wirtschaftsprüfern unsere Rückstellungen aufstocken", sagte Weidmann. 2010 hatte die Bundesbank 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftet und 1,6 Milliarden Euro für Risiken zurückgestellt.

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Heft 9/2012
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Weidmann bezweifelt zudem, dass die Notenbanken der Euro-Zone signifikante Summen zur Rettung Griechenlands beitragen können. Die Diskussion um ein Weitergeben möglicher Erträge aus dem Staatsanleihenengagement habe "etwas von einer Milchmädchenrechnung", sagte er.

Die Regierungen der Euro-Zone wolle mögliche Gewinne aus den von den Notenbanken günstig eingekauften griechischen Staatsanleihen an Griechenland weiterreichen. Es sei aber "keineswegs sicher", dass mit den Bonds tatsächlich ein Gewinn erzielt werden könne, sagte Weidmann dem SPIEGEL: "Im Gegenteil: Die Risiken in den Bilanzen der Notenbanken haben tendenziell zugenommen. Und das betrifft nicht nur die Griechenland- Anleihen, sondern die ganzen geldpolitischen Sondermaßnahmen im Zuge der Krise."

Dass der Schuldenschnitt für Griechenland nur für private Gläubiger gilt, findet Weidmann "vollkommen in Ordnung". Die öffentlichen Gläubiger seien unter anderem mit ihren Finanzierungszusagen an der Rettung maßgeblich beteiligt. "Die Risiken werden fast vollständig auf die öffentliche Hand übertragen", so Weidmann.



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