Mutmaßlicher Linksterrorist Heidbreder nach 20 Jahren auf der Flucht verhaftet


Nach seiner fast 20 Jahre dauernden Flucht ist der mutmaßliche Linksterrorist Bernhard Heidbreder festgenommen worden. Zielfahnder des Bundeskriminalamts (BKA) spürten den heute 53-Jährigen im venezolanischen Mérida auf. Der Zugriff erfolgte durch örtliche Spezialkräfte bereits Anfang Juli, hieß es in deutschen Sicherheitskreisen. Heidbreder wurde seit 1995 mit Haftbefehl gesucht – die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn, gemeinsam mit zwei noch immer untergetauchten Gesinnungsgenossen der terroristischen Vereinigung "Das K.O.M.I.T.E.E." angehört zu haben.

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Heft 30/2014
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Die militantanarchistische Gruppe soll in den Neunzigerjahren einen Anschlag auf ein Bundeswehrgebäude im brandenburgischen Bad Freienwalde verübt haben. Zudem wird ihr die versuchte Sprengung eines leerstehenden Gefängnisgebäudes in Berlin-Grünau vorgeworfen. Nach dem gescheiterten Anschlag tauchten Heidbreder und seine mutmaßlichen Komplizen Peter Krauth und Thomas Walter im April 1995 unter; wenig später gab "Das K.O.M.I.T.E.E." in einem Bekennerschreiben zu beiden Anschlägen seine Selbstauflösung bekannt. Die Fahndung nach dem Trio brachte den Behörden heftige Kritik ein: Unter anderem waren Redaktionsräume von Zeitungen durchsucht und Telefone von Rechtsanwälten abgehört worden (SPIEGEL 41/2013).

Dass sich die Gruppe nach Südamerika abgesetzt haben könnte, vermutete das BKA schon länger. Man gehe davon aus, dass sich die Flüchtigen dort mithilfe von früheren Unterstützern der Roten Armee Fraktion verborgen hielten, heißt es in einem Fahndungspapier. Offenbar hatte Heidbreder zunächst jahrelang unter dem Namen "Smith" in Kolumbien gelebt, bevor er sich nach Venezuela absetzte. Die Bundesanwaltschaft bemüht sich nach Angaben eines Sprechers um die Auslieferung des Beschuldigten. Heidbreders deutsche Anwältin zeigte sich überrascht – bislang sei sie von keiner Behörde kontaktiert worden.



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