BND beschäftigte Top-Nazi als hauptamtlichen Mitarbeiter


Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat eingeräumt, Hartmann Lauterbacher (Deckname "Leonhard") als hauptamtlichen Mitarbeiter beschäftigt zu haben. Der 1988 im Alter von 78 Jahren gestorbene Lauterbacher ist nach bisherigen Erkenntnissen der höchste Nazi-Funktionär, den der BND jemals angestellt hat: Der einstige SS-Obergruppenführer war stellvertretender Reichsjugendführer der Hitlerjugend und NSDAP-Gauleiter von Süd-Hannover-Braunschweig; er wurde diverser Verbrechen beschuldigt. Auf Antrag des SPIEGEL hat der BND die Personalakte Lauterbachers freigegeben. Der glühende Nazi-Hitler-Anhänger seit 1923 - floh drei Jahre nach Kriegsende aus einem britischen Lager in Niedersachsen und tauchte in Italien unter. 1950 stellte die Organisation Gehlen, Vorläufer des BND, den Flüchtigen unter der Registriernummer V-6300 ein. Lauterbacher lebte danach in München und West-Berlin und stieg zum Referatsleiter auf. Er sollte wohl mithilfe ehemaliger HJ-Funktionäre in der DDR die dortige Jugendorganisation FDJ unterwandern. 1951 lancierte der Geheimdienst in der Presse, Lauterbacher sei nach Argentinien geflohen – und besorgte ihm drei Jahre später in Schleswig- Holstein offensichtlich neue Papiere. Die Personalakte legt nahe, dass der Landrat von Eckernförde und der persönliche Referent des damaligen Ministerpräsidenten in Kiel dabei halfen. Beide waren ehemalige HJ-Führer. Später spionierte Lauterbacher, getarnt als Geschäftsmann, in Nordafrika. 1963 endete die Zusammenarbeit. Laut CIA-Unterlagen verdächtigte der BND seinen Mitarbeiter, östlicher Agent zu sein. Wegen angeblicher Homosexualität galt der dreifache Familienvater als erpressbar. Sein letztes Gehalt betrug 1280 Mark plus 960 Mark Sondervergütung. Dafür bekam er später eine ordentliche Rente.



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