Der SPIEGEL

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20. Juli 2014, 08:09 Uhr

Bundesregierung geht nur halbherzig beim Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare vor

Die Bundesregierung erkennt – entgegen der Position der Unionsfraktion – erstmals an, dass Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern aufwachsen, sich "ebenso gut entwickeln wie Kinder in anderen Familienformen". Studien, die Nachteile für Nachwuchs aus diesen sogenannten Regenbogenfamilien belegten, seien der Regierung nicht bekannt, heißt es in der Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen. Die Regierung wolle dafür Sorge tragen, dass Regenbogenfamilien in Deutschland und Europa als "Normalität und Realität anerkannt werden und Unterstützung erfahren", heißt es.

Weitere Gleichstellung soll es dennoch nicht geben: Für gleichgeschlechtliche Lebenspartner wird weiterhin nur die Sukzessivadoption möglich sein, das heißt, sie können das Kind nur nacheinander adoptieren, nicht gemeinsam. Außerdem müssen Krankenkassen die Kosten für künstliche Befruchtungen bei lesbischen Paaren auch in Zukunft nicht übernehmen. Katja Dörner, Fraktionsvize der Grünen, und Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Fraktion, werfen der Bundesregierung vor, nichts von der Lebensrealität der Regenbogenfamilien zu wissen. Immerhin sei nun "regierungsamtlich", dass das Unwohlsein der Kanzlerin beim Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare "ein blankes homophobes Vorurteil" sei.

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