Bundeswehr-Hubschrauber drohen abzustürzen


Die Flotte der Transporthubschrauber vom Typ NH90 könnte erneut stillgelegt werden: Wegen eines Triebwerkproblems und eines Designfehlers in der Bordelektronik ist das Absturzrisiko zu hoch. Zu dieser Einschätzung kommen sowohl unabhängige Gutachter als auch die für die Zulassung verantwortliche Dienststelle der Bundeswehr. Flugsicherheitsexperten der Bundeswehr empfehlen daher in einem dringlichen Schreiben an das Luftfahrtamt, "den Flugbetrieb pro Luftfahrzeug auf maximal 20 Flugstunden zu begrenzen". Der Hersteller, eine Tochter von Airbus Helicopters, soll demnach die Wahrscheinlichkeit eines Triebwerkausfalls falsch berechnet haben – vermutlich auch, weil die Ingenieure die Sicherheitsbestimmungen für Großflugzeuge statt derjenigen für Hubschrauber zugrunde legten. Aufgrund dieser Berechnung hatte die Bundeswehr den Flugbetrieb des NH90 vor einigen Wochen wieder erlaubt. Untersuchungen der Bordelektronik und der Triebwerke wiesen jedoch auf Konstruktionsprobleme beim NH90 hin. Im Juni 2014 wäre ein Hubschrauber dieses Typs nach einer Triebwerksexplosion in Usbekistan beinahe abgestürzt. Das Flugverbot war aufgehoben worden, kurz bevor der Haushaltsausschuss des Bundestags Anfang März der Anschaffung von 100 neuen Hubschraubern des Typs NH90 und seiner Marine- Version zugestimmt hatte. Der Hersteller hält auf Nachfrage seine Berechnungen weiterhin für zutreffend. Das Verteidigungsministerium hingegen hat alle Beteiligten in der nächsten Woche zu einem Krisentreffen bestellt. "Kurzfristige Folgen für den Betrieb des NH90 sind derzeit nicht absehbar", sagt ein Ministeriumssprecher.



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