Doping-Arzt schlug Ehrung für Ex-Sportchef Willi Daume vor

Eine fragwürdige Ehrung in Baden-Württemberg legt nahe, dass dort Doping-Medizin, Spitzensport und Landespolitik eng verflochten waren. Im Jahr 1988 verlieh Ministerpräsident Lothar Späth (CDU) dem damaligen Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees, Willi Daume, eine Ehrenprofessur. Wie erst durch eine aktuelle Anfrage bekannt wurde, folgte die Landesregierung damals trotz formaler Bedenken einem Vorschlag des Sportmediziners Joseph Keul, dessen Institut an der Freiburger Universitätsklinik das Zentrum des Dopings in Westdeutschland war. Daume habe sich "vielfältige Verdienste" um die Freiburger Sportmedizin erworben, schrieb Keul 1984 an den Ministerpräsidenten. Die Medizinische Fakultät in Freiburg hatte zuvor Daume die Ehrendoktorwürde mit der Begründung verweigert, diese könne nur Wissenschaftlern zuteil werden - der Sportfunktionär war hingegen Studienabbrecher mit schmaler Publikationsliste. Als deshalb auch der zuständige Ministerialdirigent im Staatsministerium den Vorgang auf Eis legte, intervenierte 1987 Kultus- und Sportminister Gerhard Mayer-Vorfelder (CDU) bei Späth: Daume sei "tief getroffen" von der Ablehnung, und Stuttgart bewerbe sich schließlich um die Olympischen Sommerspiele 2004. Den Titel bekam Daume zu seinem 75. Geburtstag im Mai 1988 verliehen.