Langweiler im SED-Politbüro


DDR-Chef Erich Honecker (1912 bis 1994) war nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) im SED-Politbüro von Unsympathen und Langweilern umgeben. Das geht aus der Analyse 899/82 VS-Vertraulich ("Persönliche Verhältnisse ausgewählter SED-Spitzenfunktionäre zu Erich Honecker und zueinander") im BND-Archiv hervor. Die führenden Genossen werden darin als "selbstherrlich" (Chefideologe Kurt Hager), "schroff" (Wirtschaftsboss Günter Mittag), "knochentrocken, steif" (Regierungschef Willi Stoph), "arrogant" und "skrupellos" (Propaganda-Chef Joachim Herrmann) beschrieben. Die Einschätzungen beruhten, so die BND-Autoren der Studie, "überwiegend auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen", also Spionage. Nur Hermann Axen, im Politbüro zuständig für Außenpolitik, und der spätere SED-Chef Egon Krenz kommen besser davon: Axen habe ein "ruhiges, ausgeglichenes Wesen". Und Krenz verhalte sich "fast unterwürfig" gegenüber den anderen, was jedoch möglicherweise daran liege, dass er der Jüngste sei.



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