Exzellenz-Gutachter Imboden sieht deutsche Hochschulen im internationalen Vergleich noch "sehr, sehr weit" zurück

Vor wenigen Tagen stellte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern den Fahrplan zur Fortsetzung der Exzellenzinitiative vor, ein jährlich 533 Millionen Euro schweres Förderprogramm für deutsche Hochschulen. Dieter Imboden, 72, Umweltphysiker aus der Schweiz, evaluierte als Leiter einer Expertenkommission, was die Exzellenzförderung bisher gebracht hat, und präsentierte Vorschläge für die Neuauflage.

SPIEGEL: Die Wissenschafts- und Finanzminister haben viele Vorschläge Ihrer Kommission angenommen – nur den wichtigsten nicht. Deutsche Hochschulen werden sich auch in Zukunft mit aufwendigen Anträgen um den Titel "Exzellenzuniversität" bewerben müssen.

Imboden: Ja, das ist schade. Meine Kommission wollte, dass die Universitäten aufgrund bereits erbrachter Forschungsleistungen prämiert werden – und nicht anhand der Anträge. Aber dieser Schritt war für die deutsche Hochschullandschaft vermutlich zu groß. Es grenzte an ein politisches Wunder, wenn die Politik die Vorschläge einer Expertenkommission eins zu eins übernehmen würde.

SPIEGEL: Was stört Sie an den Anträgen?

Imboden: In den vergangenen Runden haben die Universitäten dafür einen enormen Aufwand betrieben. Dass so viele Personen involviert waren, das ist Unsinn! Zudem sitzen in den Rektoraten geübte Antragschreiber, die genau wissen, wie sie formulieren müssen. Meine Prognose: Aufgrund der Anträge allein wird man die Besten nicht von den Guten unterscheiden können.

SPIEGEL: Die Politik wünscht sich mehr Sichtbarkeit der deutsche Universitäten im internationalen Vergleich.

Imboden: Der Weg ist noch sehr, sehr weit. Die Exzellenzinitiative ist ein Anfang. Ausreichen wird das aber nicht.

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