G8 bereiten Rauswurf Russlands vor - auch Regierungskonsultationen unwahrscheinlich

Wegen der Krise um die Ukraine droht Russland seinen Status als G-8-Mitgliedsland zu verlieren. Die sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7) bereiten derzeit ein Treffen ohne Russland vor. Die britische Regierung schlug London als alternativen Treffpunkt für den Gipfel vor, heißt es in Berliner Regierungskreisen. Das stieß bei den anderen Teilnehmern, zu denen die USA, Deutschland, Japan, Kanada, Italien und Frankreich gehören, auf Wohlwollen. Ursprünglich sollte das G-8-Treffen im russischen Sotschi stattfinden.

Falls der russische Präsident Wladimir Putin im Streit um die Besetzung der Krim nicht einlenkt, will Berlin auch die für April in Leipzig geplanten deutsch-russischen Regierungskonsultationen absagen. Allenfalls eine "kleines, frostiges Format" sei denkbar, heißt es in der Bundesregierung. "Unter den gegenwärtigen Umständen hätte alles andere keinen Sinn."

Führende deutsche Wirtschaftsvertreter warnten unterdessen vor einem Handelskrieg mit Russland. "Ich mache mir große Sorgen, dass wir eine Eskalationsspirale von Sanktionen und Gegensanktionen auslösen, die niemandem nutzt", sagt Eckhard Cordes, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Er warb um Verständnis für Putin: "Im Verhältnis zwischen Russland und dem Westen hat es viele Fehler gegeben, und die Fehler sind nicht nur auf russischer Seite gemacht worden." Auch Klaus Mangold, Aufsichtsratschef Rothschild Deutschland und Cordes’ Vorgänger im Ost-Ausschuss, möchte keine Strafaktion gegen Russland. "Es wäre ein Fehler, wenn der Westen nach dem Referendum über die Krim eine neue Stufe der Eskalation zündet", so Mangold. "Sanktionen sind der falsche Weg."