Heikle Aktenfunde zu Nazijäger Fritz Bauer

Der frühere hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903 bis 1968) zählt zu den Lichtgestalten der Bundesrepublik; er trug maßgeblich dazu bei, dass der Auschwitz-Prozess zustande kam und der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann gefasst wurde. Nun hat Georg D. Falk, ehemals Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main, Unterlagen ausgewertet, die Schatten auf das Wirken des jüdischen Sozialdemokraten Bauer werfen. Es geht um mehr als hundert Ermittlungsverfahren gegen Richter und Staatsanwälte, die Todesurteile im "Dritten Reich" zu verantworten hatten.

Ausgerechnet Bauer, der die hohe Zahl NS-belasteter Juristen beklagte, stellte demnach alle Verfahren ein. Besonders befremdlich erscheint der Fall der Polin Stanislawa Janczyszyn, die den jüdischen Jungen Marjan Frischmann, 3, in ihrer Wohnung versteckt hatte. Als das 1943 aufflog, erschoss ein SS-Mann das Kind. Ein Sondergericht verurteilte die mutige Helferin zum Tode. Beide Verbrechen wurden nie gesühnt. Bauer stellte die Verfahren gegen Richter und Ankläger Janczyszyns 1964 ein. Seine Begründung variierte: Marjans Vater erklärte er, das Vorgehen der Nazijustiz gegen die Polin sei verjährt, was nicht zutraf. Dem hessischen Justizministerium teilte er mit, es sei "nicht damit zu rechnen", dass das zuständige Gericht den Prozess weiterführen werde. Dabei wäre ein entsprechender Antrag angesichts der Ermittlungsergebnisse "zwingend" gewesen, so Falk. In der Einstellungsverfügung argumentierte Bauer, den Beschuldigten ließen sich niedrige Beweggründe "nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen". Falk hält das für "nicht nachvollziehbar".

Der Richter leitet ein Forschungsprojekt, das die Geschichte des OLG Frankfurt aufarbeitet. Für das Vorgehen Bauers, den er nach eigenen Angaben bewundert, hat er bisher keine Erklärung gefunden. Seine Recherchen veröffentlicht Falk im Bulletin des Fritz Bauer Instituts.

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