Libanesen sollen im Auftrag der Hisbollah mindestens 75 Millionen Euro Drogengeld in Europa gewaschen haben


Ermittler der Zollfahndung Essen haben eine Gruppe Libanesen enttarnt, die in den vergangenen zwei Jahren europaweit mindestens 75 Millionen Euro Drogengeld gewaschen haben soll. Die Verdächtigen sollen im Auftrag der schiitischen Hisbollah gehandelt haben, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird und an der Seite von Präsident Assad in Syrien kämpft. Die Libanesen hätten jede Woche in ganz Europa rund eine Million Euro eingesammelt und dafür Luxuswaren erworben: Autos, Uhren, Schmuck. Der Erlös daraus sei an südamerikanische Drogenkartelle geflossen. In Deutschland seien so allein in 2015 rund zehn Millionen Euro gewaschen worden. Ausgangspunkt der Ermittlungen war der Fund zweier Reisetaschen mit 489.000 Euro Bargeld bei zwei Libanesen an der deutsch-belgischen Grenze. Die Männer gaben an, auf Einkaufstour in Belgien gewesen zu sein, hatten aber nur zwei Designerunterhosen im Gepäck. Nachforschungen führten zu einem ähnlichen Fall in Frankreich, wo bereits die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA eingeschaltet worden war. Bei einer von Europol koordinierten Razzia Ende Januar wurden europaweit zehn Libanesen festgenommen; in Deutschland waren Spezialeinheiten des Zolls und die GSG 9 gegen vier Verdächtige in Düsseldorf, Münster und Ganderkesee im Einsatz. Bei ihnen wurden 260.000 Euro Bargeld, ein Range Rover und zwei Uhren im Wert von jeweils rund 100.000 Euro beschlagnahmt. Sowohl Europol als auch das US-Finanzministerium gehen davon aus, dass mit dem Gewinn aus der Geldwäsche die Hisbollah finanziert wurde.



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