Missbrauchsopfer im Bistum Limburg werfen katholischer Kirche unterlassene Hilfeleistung vor


Missbrauchsopfer werfen der katholischen Kirche im Bistum Limburg mangelnde Aufklärung im Fall des verstorbenen Leiters des St. Vincenzstiftes bei Rüdesheim, Rudolf Müller, vor. Ein dazu bereits seit 2010 vorliegender interner Ermittlungsbericht spricht von übereinstimmenden Aussagen über vollzogene oder versuchte Vergewaltigung sogar während der Beichtsituation; es gebe "keine Zweifel an den Missbrauchshandlungen durch Müller". Erste Hinweise auf dessen mutmaßliches unsittliches Vorgehen einer jungen Frau gegenüber, die in der Zentralküche des Heims arbeitete, wurden bereits 1970 durch eine Unterschriftenaktion mit Vorwürfen gegen den Priester laut. In den Akten des Ordinariats existiert eine Notiz der Personalabteilung vom 4. September 1970 über diese Vorwürfe. Müller schrieb damals verzweifelte Briefe, in denen er Mädchen aufforderte, über das Geschehen zu schweigen. Möglicherweise aus Angst vor Enttarnung beging er wenige Tage später Selbstmord. Der heutige Limburger Generalvikar Franz Kaspar wurde kurz darauf sein Nachfolger, fiel aber nicht durch eine offensive Aufklärung des Falls auf. Das Stift ging 1981 mit Hilfe von Anwälten gegen ein Buch mit Gewaltvorwürfen des Ex-Heimbewohners Alexander Homes vor. Der musste darauf hinweisen, es handele sich nicht um eine Dokumentation, sondern um literarische Verfremdung. Weil er "keine belastbaren Vorwürfe" gegen seinen Vorgänger sah, ließ Kaspar 2006 zur Empörung der Opfer zu, dass ein neues Wohnhaus im Stift bis 2010 "Rudolf-Müller-Haus" hieß. Ex-Heimbewohner Homes kritisiert in seinem neu erscheinenden und aktualisierten Buch "Prügel vom lieben Gott", dass das Verhalten des Bistums ihm und anderen Opfern lebenslang geschadet habe.



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